Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Müritz“ als Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt Europas

Pressemitteilung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte

Nr.PM 01/17  | 31.03.2017  | StALU MS  | Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte

Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Müritz“ als Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt Europas

Für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet DE 2542-302 „Müritz“ wird mit der Erarbeitung des Managementplans begonnen. Ziel des Planes ist es, einen günstigen Erhaltungszustand der im Gebiet vorkommenden natürlichen Lebensräume und wildlebenden Tier- und Pflanzenarten von europäischer Bedeutung zu bewahren bzw. wiederherzustellen.

Zum Planungsauftakt findet am Donnerstag, 06. April 2017 um 17:00 Uhr in der Europäischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern, Eldenholz 23, 17192 Waren (Müritz) eine erste öffentliche Informationsveranstaltung statt.

Auf der Veranstaltung wird über die Inhalte und den Ablauf der Planung informiert. Im Planungsprozess ist vorgesehen, aus den mit der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie übernommenen Verpflichtungen geeignete Maßnahmen für die Schutzgüter des Gebietes abzuleiten und zu dokumentieren. Dabei werden wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Interessen sowie regionale Besonderheiten berücksichtigt.

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte (StALU MS) lädt als zuständige Fachbehörde für Naturschutz alle an der Managementplanung interessierten Bürger und die im Gebiet tätigen Flächennutzer zu dieser Informationsveranstaltung ein.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des StALU MS (http://www.stalu-mecklenburgische-seenplatte.de).

Hintergründe:

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie 92/43/EWG) hat den Erhalt der biologischen Vielfalt auf dem Gebiet der Europäischen Union zum Ziel. Dazu soll ein günstiger Erhaltungszustand der natürlichen Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-RL und Arten nach Anhang II der FFH-RL von gemeinschaftlichem Interesse bewahrt bzw. wiederhergestellt werden. Der Erhalt der biologischen Vielfalt kann jedoch nicht alleine durch den Schutz einzelner Habitate und Lebensräume, sondern nur durch ein europaweites Netz von Schutzgebieten erreicht werden. Gemeinsam bilden daher die anerkannten FFH-Gebiete und die Europäischen Vogelschutzgebiete nach der Richtlinie 2009/147/EG das kohärente länderübergreifende Netz „Natura 2000“. Für die Mitgliedsstaaten besteht mit diesem Schutzgebietsnetz und den beiden Richtlinien ein gemeinsamer Rahmen zur Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa.

Für die FFH-Gebiete als Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung ist sicherzustellen, dass sich der Erhaltungszustand der geschützten Arten und Lebensräume nicht verschlechtert. Zur Bewahrung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands sind die erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen festzulegen.

Das FFH-Gebiet „Müritz“ ist mit einer Größe von circa 10.200 Hektar eines der großen Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung im Land Mecklenburg-Vorpommern. Es umfasst den überwiegenden Teil der Außenmüritz einschließlich der zugehörigen Ufer- und Verlandungsbereiche, die Naturschutzgebiete „Großer Schwerin mit Steinhorn“ und „Müritzsteilufer bei Rechlin“ sowie Waldflächen zwischen Gotthun und Sembzin.

Im Rahmen der FFH-Managementplanung werden sechs natürliche Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-Richtlinie betrachtet. Der flächenmäßig größte Vertreter im Gebiet ist die Müritz selbst. Sie zählt zum Lebensraumtyp „Nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche kalkhaltige Gewässer mit Armleuchteralgen“ und wird weitgehend bereits als gut bewertet. Eine Vielzahl von Kleingewässern gehört zum Lebensraumtyp „Natürlich nährstoffreiche Stillgewässer mit charakteristischer Unterwasservegetation“. „Artenreiche Pfeifengraswiesen“ und „Flachland-Mähwiesen“ repräsentieren Lebensraumtypen des Offenlandes. Sie kommen ebenso vor wie „Kalkreiche Niedermoore“ und „Kalkreiche Sümpfe mit Schneide (Cladium mariscus)“ als Vertreter der Moor-Lebensraumtypen.

Gegenstand der Planung sind außerdem sieben Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie. Hervorzuheben ist hier der Kriechende Sellerie oder Scheiberich (Helosciadium repens) mit seiner MV-weit größten Population. Das Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii) kommt auf kalkreichen Mooren im Naturschutzgebiet „Müritzsteilufer bei Rechlin“ vor. Moore und andere feuchte Lebensräume wie Nasswiesen, Riede und Röhrichte werden von der Bauchigen Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) und der Schmalen Windelschnecke (Vertigo angustior) besiedelt. In den Gewässern des FFH-Gebietes finden Fischotter (Lutra lutra), Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) und Steinbeißer (Cobitis taenia) geeignete Lebensräume.

Gleichzeitig ist das FFH-Gebiet „Müritz“ von besonderem regionalem Interesse für wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Nutzungen, darunter Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Freizeitaktivitäten und Tourismus. Diesen verschiedenen Anforderungen wird durch die Beteiligung der betroffenen Nutzer im Rahmen der Managementplanung Rechnung getragen.

In Mecklenburg-Vorpommern ist das Instrument der Managementplanung zur Lösung der Anforderungen, die sich aus der Meldung bzw. Erklärung von Gebieten gemeinschaftlicher Bedeutung ergeben, verbindlich in der Natura 2000-Gebiete-Landesverordnung festgelegt.

Ziele der Managementplanung sind:

  1. die naturschutzfachlichen Erfordernisse aus der Meldung umzusetzen, d.h. Erhaltungsziele zu formulieren und Erhaltungs- bzw. Wiederherstellungsmaßnahmen festzulegen,
  2. klare und plausible Regelungen zu schaffen, d.h. Hilfestellungen für rechtssichere Entscheidungen zu geben,
  3. konsensorientierte Lösungen mit den betroffenen Landnutzern, d.h. einen Ausgleich der Interessen zu erreichen,
  4. Gemeinden und Vorhabenträgern Planungssicherheit zu ermöglichen und
  5. Einzelfallprüfungen auf Verträglichkeit zu erleichtern.

Finanziert wird die Managementplanung anteilig aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und des Landes Mecklenburg-Vorpommern.